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Sunday, July 16, 2017

Kraftwerk: 3-D Catalogue




Acht CDs liegen da vor einem, jede davon verpackt in einem grafisch exzellent gestalteten aufklappbaren Pappcover, und dazu noch ein 16-seitiges Gesamtbooklet.

Ob man so ein Paket braucht, kann nur jeder für sich entscheiden. Was man bekommt: sozusagen The Mix 2, diesmal aber das gesamte Repertoire von Kraftwerk von Autobahn bis Tour de France Soundtracks umfassend. Die Aufnahmen sind angeblich Live-Mitschnitte. Überprüfen lässt sich das nicht, da an keiner Stelle Publikum zu hören ist. Sicher ist lediglich, dass die CDs die Stücke so wiedergeben, wie Kraftwerk sie heute auf der Bühne präsentiert. Es ist nicht ganz unwichtig, das zu betonen, weil Hütter und seine Mitstreiter ihr Repertoire über die Jahre hinweg immer wieder variiert, neu arrangiert und umgestellt haben, und die Unterschiede sind zum Teil beträchtlich. So waren z.B. die "Autobahn"-Motorengeräusche auf dem originalen Album von 1974 synthetisch nachgestellt, was ihren eigentlichen spielerischen Charme ausmachte. Auf der "Autobahn"-Version vom Mix-Album (1991) ging dieser Charme verloren, weil man die Motorengeräusche durch gesampelte Originalklänge ersetzt hatte. Das sieht die Band inzwischen anscheinend selbst so, deswegen sind nun wieder die synthetischen Imitationen da, der Beat allerdings ist der von 1991.

Generell fällt auf, dass gegenüber den Aufnahmen aus der Mix-Ära die Rhythmik verändert wurde und sehr viele Samples aus den Originalaufnahmen integriert wurden, und in fast allen Fällen hat sich das gelohnt. Da etliche der Stücke über die Jahre hinweg kräftig eingekürzt und einige der Tracks zu Medleys zusammengefasst wurden, sind einige der CDs erstaunlich kurz geraten. Autobahn beispielsweise besteht, obwohl alle der ursprünglichen fünf Originaltitel verarbeitet wurden, nur noch aus zwei Tracks und dauert 26 Minuten. Trotzdem ergibt es Sinn, dass jedes Album wieder eine eigene CD ist, denn alle Kraftwerk-Alben waren in sich geschlossene Werke und sollten das auch bleiben.

Es lässt sich schwer sagen (weil subjektive Einschätzung), ob die neuen Fassungen "besser" oder "schlechter" als die Originale sind. Klanglich sind sie kristallklar und streckenweise im Bassbereich durchschlagend. Manche Tracks sind mir ein bisschen zu kirmeshaft geraten, andere erinnern an den Alleinunterhalter auf Hochzeitsfeiern, andere sind sehr gelungen. Ich für meinen Teil würde in den Fällen Autobahn, Radio-Aktivität, Trans Europa Express und Computerwelt die Originale bevorzugen, in anderen Fällen hält es sich die Waage; im Fall Tour de France Soundtracks hat die neue Version sogar deutlich gegenüber dem Originalalbum von 2003 gewonnen.

Besonders interessant ist die CD 7, die das Repertoire des Mix-Albums plus die "Planet of Visions"-Single enthält. Diese Scheibe ist nämlich in Headphone-3D abgemischt. Dass Kraftwerk live oftmals mit dem Wellenfeldsynthese-Verfahren arbeitet und dadurch ein Klangerlebnis bietet, dass das Publikum von allen Seiten mit 32 Tonkanälen einschließt, wird mit diesem Verfahren für ganz normale Kopfhörer simuliert. Das erinnert ein bisschen an Kunstkopf-Stereophonie, wie sie etwa Can oder Tangerine Dream schon in den 70er Jahren geboten haben, beruht nun allerdings auf einer elektronischen Simulation des Kunstkopfes. Das funktioniert tatsächlich, klingt im Kopfhörer sehr gut, über Lautsprecher allerdings funktioniert es nicht vernünftig (wie damals schon Kunstkopfaufnahmen).

Die ersten drei Alben sind nicht dabei; Ralf Hütter hat irgendwann mal entschieden, dass er sie nicht zum gültigen Repertoire rechnen möchte. (Wie ich aus gewöhnlich gut informierten Kreisen höre, sind die ersten drei Alben bereits remastert und sollen als 2-CD-Box mit viel grafischem Material veröffentlicht werden, aber keiner weiß, wann. Und ob überhaupt.) Über diese Entscheidung kann man streiten. Ich finde ja, dass Autobahn noch deutlich dichter an Ralf & Florian anknüpft als an, sagen wir: Trans Europa Express, aber Hütter hat das so entschieden. Er hat sich offenkundig in die 12345678-Idee verliebt, und da er uns nichts schuldig ist, kann man das nur akzeptieren oder nicht. Deswegen übrigens glaube ich an kein neues Kraftwerk-Album mehr; eine 9 würde nicht mehr ins Konzept passen. Satt dessen hat sich Hütter für eine Art Never-ending-Tournee entschieden und uns davon jetzt eine Ansichtskarte geschickt -- auch nicht schlecht. Immerhin jedenfalls sind die Konzerte innerhalb von Minuten ausverkauft, und die Besucher sind durchweg begeistert, also macht er offenbar irgendetwas richtig.

Es ist noch darauf hinzuweisen, dass es dieses Paket auch auf Vinyl gibt. Außerdem gibt es das Gesamtpaket als 3D-Blue-Ray mit entsprechendem Sound, und alle, die das Ding in meinem Umfeld bisher gehört bzw. gesehen haben, sind begeistert. Ich kann dazu mangels entsprechender Anlage nichts sagen.


(Sorry, no English translation this time. Dieser Beitrag erschien zuerst bei manafonistas.de)

Monday, May 29, 2017

Grüne 1987



Ein Ausschnitt aus dem Parteiprogramm der Grünen aus dem Jahr 1987. Wer es nicht mehr erinnert: "IuK-Techniken" (sie meinen "Technologien", aber lassen wir das mal beiseite) steht für "Informations- und Kommunikationstechnologien", damals im Vor-Internetzeitalter das Schlagwort für alles, was mit Computern und Digitalisierung zu tun hatte.

Man fragt sich, was die Grünen damals unter "nicht-technologischen Alternativen" verstanden haben. Trommeln? Treppenhaustratsch? Flurfunk? Rauchzeichen?

Ich erinnere dunkel, dass mir bei einem Besuch des Abgeordnetenhochhauses Ende der 1980er Jahre (damals noch in Bonn) an einigen Türen von Grünen-Büros der Aufkleber "In diesem Büro gibt es keine Computer" aufgefallen ist. Sehr beruhigend, schon damals.

Sunday, April 30, 2017

Pittsburgh Symphony Orchestra



Anton Bruckner: Symphony No. 8

Pittsburgh Symphony Orchestra
Manfred Honeck, conductor

Pittsburgh, Heinz Hall, April 30, 2017

Sunday, April 2, 2017

Bryan Ferry



Pittsburgh, Heinz Hall, April 1, 2017

Review by Scott Mervis, Pittsburgh Post-Gazette.

Besprechung von mir hier bei manafonistas.

Wednesday, March 22, 2017

Fundstück / Find



Gerade durch Zufall wiederentdeckt: Lakmés und Mallikas "Blumenduett" (aus der Oper Lakmé von Léo Delibes). Als ich 1993 mit Medienwelten durch Buchhandlungen tourte, habe ich meine Lesung jedesmal mit dieser Computeranimation beendet. Hat immer funktioniert.

Just rediscovered by chance: Lakmé's and Mallika's "Flower Duet" (from opera Lakmé by Léo Delibes). When in 1993 I toured bookstores with Medienwelten (Worlds of Media), I always finished my reading with this computer animation. It always worked.

Tuesday, February 7, 2017

1-A Düsseldorf: Uraan



(Scroll down for English version)

Nach 13 Jahren eine neue Platte von 1-A Düsseldorf, ihre sechste insgesamt. Möglich wurde das durch einen Irrtum. Eine CD, die 2014 versehentlich Thomas Dinger zugeschrieben und deshalb wieder vom Markt genommen wurde, brachte das japanische Label Suezan Studio dazu, statt dessen jetzt Uraan zu veröffentlichen. Und der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki gab nach etlichen Jahren sein Okay zur Veröffentlichung einiger Sessionaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 1994 und ist jetzt hier auf zwei Titeln zu hören („Schwermental“ und das etwas lang geratene „Brainshake“). Klar, man erkennt seine Stimme, irgendwelche vokalistischen Sensationen liefert er aber nicht.

1-A Düsseldorf, ursprünglich mal von Thomas Dinger ins Leben gerufen, um unabhängig von seinem sehr dominanten Bruder Klaus eigene Ideen verwirklichen zu können, sind nach seinem Tod im Kern der ehemalige Beuys-Student Nils Kristiansen (Gitarre, Vocals), Thomas‘ Cousin Dirk Flader (Gitarre und Bass; er war auch in Klaus‘ Projekt La!Neu? involviert) und Steffen Domnisch (Drums, Keyboards). Dazu die Gäste Viktoria Wehrmeister (Gesang), der Inder Attila Mihci (Gesang, Gitarre), der Chilene Francisco Cabañas Gac (Gesang), Jule Rössler (Gesang) und der Iraner Schoeleh Djannessari (Gesang).

Neun Titel verzeichnet das Cover, zehn sind es tatsächlich, wobei der hidden track mit dem Titel „The Tyson Finish“ einer der besten des Albums ist — er könnte glatt als Parodie auf die Eurodisco-Welle der 90er durchgehen, ist aber doch um einiges raffinierter zubereitet. Meine anderen Anspieltipps sind das recht kompakte „1941 WLDR“ und der 13-Minuten-Trip „Herr Khan“.

Das Ganze ist ziemlich vielseitig, hat einen Sound, den man sofort mit Düsseldorf assoziiert und ist sehr hörenswert. 1-A Düsseldorf versuchen an keiner Stelle, irgendwelchen Trends zu folgen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen, sondern sie machen das, was sie wollen. Das funktioniert nicht in allen Stücken gleichermaßen gut, aber wirkliche Durchhänger gibt es nicht. Die Band kann sich das leisten, da das Album ohnehin auf nur 150 Exemplare limitiert ist und insofern keiner damit Geld verdienen kann. Diese Unabhängigkeit zahlt sich musikalisch aus.


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Zu beziehen derzeit nur beim Label direkt.


(Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in manafonistas.de)



A new record by 1-A Düsseldorf after 13 years, it's their sixth. It was a flaw that made it possible. In 2014, accidentally a CD that was ascribed to Thomas Dinger had to be taken off the market, and so the Japanese label Suezan Studio released this one instead. And Damo Suzuki, former singer of Can, after several years gave his blessings to use of some session recordings from the years 1985 to 1994, and so now we can hear him on two tracks ("Schwermental" and "Brainshake", the latter a bit longish). Of course, his voice is clearly recognizable, but without any vocally sensations.

1-A Düsseldorf, originally founded by Thomas Dinger as a place to realize his own ideas independently from his overbearing brother Klaus, are now the former Beuys student Nils Kristiansen (guitar, vocals), Thomas' cousin Dirk Flader (guitar and bass; he was involved also in Klaus' project La!Neu?) and Steffen Domnisch (drums, keyboards). Additionally there are guest musicians Viktoria Wehrmeister (vocals), Attila Mihci from India (vocals, guitar), Francisco Cabañas Gac from Chile (vocals), Jule Rössler (vocals) and Schoeleh Djannessari from Iran (vocals).

The cover lists nine tracks, actually there are ten; the hidden track, entitled "The Tyson Finish" is one of the best of the album -- it could easily be a parody on the Euro Disco wave of the nineties, but it is finished much better. Except this one, my recommendations for a start are the rather compact "1941 WLDR" and the 13-minute trip "Herr Khan".

The whole album is quite multifaceted, has a sound one associates with Düsseldorf immediately and is very worth a listen. 1-A Düsseldorf never try to follow any trends or to fulfill expectations. They do what they want to do. This dosen't work equally well in all tracks, but there are no misses. The band is able to do it this way because the print run of the album is limited to only 150 copies, so nobody can make much money with it anyway. This independency pays off musically. 


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Available only directly from the label.

Sunday, January 22, 2017