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Thursday, December 28, 2017

Medienphrasen 2017

Alle Jahre wieder: Die albernsten Phrasen und abgenutztesten Metaphern in deutschen und amerikanischen Medien.

  • Sicherheitskonzept
  • in trockenen Tüchern
  • [sic!]
  • Exzellenzcluster
  • Gemengelage
  • Aktivist
  • Experte
  • Räume bespielen
  • Filterblase
  • Echokammer
  • Narrativ
  • artisanal
  • wertig
  • der große Teich
  • Vordenker
  • Leadership
  • Alphatier
  • abfackeln
  • gerät immer mehr unter Druck
  • scalable
  • grünes Licht
  • Sex-Täter
  • intrinsisch
  • newly renovated / neu renoviert
  • We’ll circle back to that
  • volle Härte
  • visionär / visionary
  • kreative Querdenker
  • offenes Geheimnis / open secret
  • Sustainability
  • der Berg kreißte und gebar eine Maus
  • ins Gelbe Trikot fahren
  • Game Changer 
  • angedacht haben
  • aus dem Nähkästchen plaudern
  • battle with cancer
  • Kasse klingelt
  • steile These
  • atmender Rahmen
  • befüllen
  • Rock-Röhre
  • im Raum stehen
  • Influencer
  • verhärtete Fronten
  • schallende Ohrfeige
  • hyperlocal
  • dystopisch/dystopic
  • bleibt abzuwarten
  • Schreckgespenst
  • zähes Ringen
  • wohl den Schuss nicht gehört haben
  • qualitätsvolle Inhalte
  • sei dahingestellt
  • gefühlt
  • Reich der Mitte
  • Impulsreferat
  • Zerreißprobe
Sollten Sie dieses Jahr den Schuss nicht gehört haben: 2018 bestimmt.

Saturday, December 2, 2017

Albums 2017

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  1. Kate Bush: Before the Dawn
  2. Hans-Joachim Roedelius & Arnold Kasar: Einfluss
  3. Dieter Moebius: Musik für Metropolis
  4. Phew: Light Sleep
  5. Peter Gordon w/ David Van Tieghem & Love of Life Orchestra: Condo (EP)
  6. Lana Del Rey: Lust for Life
  7. Six Organs of Admittance: Burning the Threshold
  8. Yello: Live in Berlin
  9. Various: Hans Zimmer -- The Classics
  10. Tangerine Dream: Quantum Gate


Kate Bush: Unvermeidlich -- eigentlich zwar von 2016, erschien aber so spät im Dezember, dass sie nicht mehr für meine 2016-Liste berücksichtigt werden konnte, deswegen jetzt hier. Viel zu gut, um unter den Tisch zu fallen, aber auch ein bisschen anstrengend -- das Thema der CD 2 ist ja schließlich keine Kleinigkeit.

Roedelius & Kasar: Ein rundes Album, an dem es einfach nichts auszusetzen gibt.

Moebius: Als Filmmusik für Metropolis eher nicht ideal, als eigenständiges Werk aber definitiv unterschätzt.

Phew: Dieselbe Phew aus Japan, die schon 1988 ein Album mit Holger Czukay und Jaki Liebezeit gemacht hat. Sperrig, aber lohnend.

Peter Gordon & Co: Was die Leute noch so alles in den Schubladen haben ... Aber wenn David Van Tieghem dabei ist, bin ich immer neugierig.

Lana Del Rey: Dies scheint zunächst ein freundlicheres Album zu sein als die beiden Vorgänger, aber da darf man sich nicht täuschen lassen. Eine faszinierende Stimme allemal. Auf die Rap-Einlagen hätte ich trotzdem gut verzichten können.

Six Organs of Admittance: Ein schönes Album. Wenn die mir allerdings erzählen würden, sie hätten niemals Brainticket gehört, würde ich ihnen nicht glauben.

Yello: Das Schweizer Kraftwerk. Die 80er sind wieder da, diesmal aber mit zehnköpfiger Band inklusive fünf Bläsern, dazu ein Percussionist und die exzentrische Sängerin Fifi Rong aus Shanghai. Ansonsten überraschungsfrei, aber einfach gut gemacht. Dieter Meier bringt "Bostich" ohne Versprecher über die Bühne -- Respekt.

Hans Zimmer: Auch mir als bekennendem Zimmer-Fan ist nicht entgangen, dass sein Album Live in Prague total überproduziert ist, und selbst auf der CD hört man noch, dass dem Publikum die Ohren weggeflogen sein müssen. Hier auf The Classics aber werden Zimmers Kompositionen auf sehr unterschiedliche Weise von Leuten wie Lang Lang, Till Brönner, Maxim Vengerov, The Piano Guys, 2Cellos und anderen interpretiert, und das lässt sich hören.

Tangerine Dream: Der 2015 verstorbene Edgar Froese spielt hier selbst noch mit, wenn auch nur indirekt. Seine Mitstreiter Thorsten Quaeschning, Ulrich Schnauss und die Violinistin Hoshiko Yamane haben seine elektronisch für dieses Album hinterlassenen Skizzen vervollständigt. Herausgekommen ist dabei ein zwar überraschungsfreies, gleichwohl aber druckvolles Album, das an beste Hyperborea-Zeiten anknüpft.


Knapp nicht in meine Top 10 haben es geschafft:


  • The Beatles: Sgt. Pepper (50th Anniversary Edition);
  • Cluster: Konzerte 1972/1977
  • Brian Eno: Reflection (fraglos eine schöne Platte, aber in dieser Musiksparte ist sein Thursday Afternoon einfach nicht zu toppen); 
  • Kraftwerk: 3-D The Catalogue (inzwischen Grammy-nominiert für die Acht-CD-Box selbst, desgleichen für Fritz Hilperts 3-D-Mix, für Fans interessant, aber letztlich eben doch kein neues Album); 
  • Jeff Lorber Fusion: Prototype (handwerklich erstklassig gespielter Fusion, aber irgendwie überzeugt mich das Ganze dann doch nicht -- man hat diesen Stil einfach zu oft gehört); 
  • John Maus: Screen Memories (jedes Stück für sich genommen gut, insgesamt mir aber zu einförmig); 
  • Mike Oldfield: Return to Ommadawn (gut, aber etwas kühl geraten und kommt nicht an das ursprüngliche Ommadawn-Album heran); 
  • Hans-Joachim Roedelius, Christopher Chaplin, Andrew Heath: Triptych in Blue (auch sehr schön, aber Einfluss ist besser). 



Wiederentdeckt:

Ry Cooder & Manuel Galban: Mambo Sinuendo (2003)
Chick Corea: Return to Forever (1972)
Bob Dylan: Street Legal (1978)


(Dieser Post erschien zuerst in manafonistas.de)

Wednesday, November 29, 2017

The Stamp Thing

Yesterday at the post office.
Me: Please, could you give me ten global stamps?
Lady behind the counter: Do you eat deer meat?
Me: Sorry, I didn't understand ...?
Lady behind the counter: Deer meat. Do you eat that?
Me: Deer meat? No. Do you have some leftovers you want to get rid of, or why do you ask?
Lady behind the counter: Where do you come from? Are you from England?
Me: No, I'm from Hamburg, Germany.
Lady behind the counter: You have an English accent.
Me: That's fine. I need ten global stamps. Do you sell them here?
Lady behind the counter (to her colleage at the next counter): Do you have global stamps left?
Lady behind the next counter (rummages around a while and finally finds some. Hands them over.)
Lady behind the counter: Elevenfifty. Thanks. Have a great day!
Me: Same to you, thanks.

Must be American humor.

Wednesday, September 20, 2017

Karl Bartos: Der Klang der Maschine




(Scroll down for English version!)

In Wirklichkeit heißt der Mann also Karlheinz. Zu Herrn Karl wurde er erst, als es darum ging, seinen Namen für die Kraftwerk-Bühne in Neonrohr zu biegen: Da ist Karl eben nur halb so teuer wie Karlheinz.

Wenn das alles wäre, was man aus der soeben vorgelegten Autobiografie des Musikers Karl Bartos erfahren würde, wären 600 Seiten ein bisschen viel. Aber man erfährt doch eine ganze Menge mehr. Um falschen Erwartungen vorzubeugen, sollte man sich zunächst klarmachen, dass dies die Autobiografie Karl Bartos' ist, nicht die Story von Kraftwerk -- die nimmt zwar den größeren Teil des Buches ein, und sie klebt, wie er selbst sagt, wie ein Schatten an ihm, aber sie ist nicht sein ganzes Leben.

Karl Bartos, geboren in Berchtesgaden, aufgewachsen in Düsseldorf, heute in Hamburg lebend, ist ausgebildeter klassischer Perkussionist, der in Schlager- und Tanzbands ebenso gespielt hat wie im Opernorchester. Zur Abschlussprüfung spielte er Gary Burtons nur scheinbar unauffällige Solokomposition "The Sunset Bell" -- aber wer das Werk mal konzentriert gehört hat, wird ungefähr einordnen können, auf welchem spielerischen Niveau er sich da bewegt. Kraftwerk war denn zunächst auch nicht mehr als ein Job unter diversen, bis ihn die Kraftwerker ultimativ aufforderten, exklusiv für sie zur Verfügung zu stehen (man könne schließlich nicht gleichzeitig für Mercedes und BMW arbeiten). Dass sie ihn damit zu einem Unternehmer machten, der nur einen einzigen Kunden haben durfte, fiel ihm wohl selbst erst später auf -- dann allerdings umso unangenehmer, denn klare Absprachen oder Verträge gab es nie. Jahrelange Rechtsstreitigkeiten folgten auf dem Fuße.

Aber das ist ein Vorgriff. Bartos schildert zunächst mal seine Jahre mit Kraftwerk, die die Alben von Radioaktivität bis Electric Cafe umfasst. Man lernt Titel für Titel die Arbeitsweise der Gruppe kennen, die "Writing Sessions", und seinen eigenen steigenden Anteil daran. Er war weit mehr als nur "der Drummer". Wer Bartos' spätere Soloplatten kennt, kann seine Handschrift auch bei Kraftwerk ohne große Schwierigkeiten heraushören. Als Co-Autor genannt zu werden ist ihm schließlich gelungen; später sogar -- was ich nicht wusste -- haben ihn Ralf und Florian auch an den Plattenverkäufen beteiligt.

Man erfährt, dass das Radio-Aktivität-Album auf einer geliehenen Achtspurmaschine aufgenommen wurde und Trans Europa Express in den angesagtesten Studios der USA gemischt, die Mischung dann aber doch verworfen wurde, weil sie zu amerikanisch klang. Zu den interessantesten Teilen des Buches gehört das jahrelange Drama um das Electric Cafe-Album. Das begann schon damit, dass die EMI die Platte unabgesprochen angekündigt hatte und daraufhin überstürzt die "Tour de France"-Single veröffentlicht wurde. Dass das Album dann jahrelang nicht fertig wurde, lag daran, dass die Gruppe ihr Equipment auf digitale Technologie umstellte, was einen Umbau nicht nur des Studios bedingte, sondern -- und das war der eigentliche Knackpunkt -- die bis dahin praktizierte Arbeits- und Kompositionsweise unmöglich machte. Diese nämlich beruhte auf unmittelbarer Kommunikation im Studio. Durch die Digitaltechnik war plötzlich jeder der Musiker auf sich selbst bezogen, und die Band fand keinen Weg, damit umzugehen. Es stellte sich heraus, dass Musik nicht zwangsläufig dadurch besser wird, dass man einfach das jeweils modernste Equipment verwendet. Es gibt wichtigere Faktoren, zu denen sie aber den Rückweg nicht mehr fanden.

Karl Bartos verließ die Band während der Arbeit am Mix-Album, weil er schlicht nichts mehr zu tun hatte. Bezeichnend ist das Unverständnis, das ihm dafür von Hütter und Schneider entgegenschlug. Und es spricht für ihn, dass er das Buch nie dazu nutzt, irgendwelche Schmutzwäsche zu waschen, obwohl der Frust nicht selten zwischen den Zeilen steht. Und auch viele Fans nahmen ihm seinen Weggang übel. Das zum Teil wirklich widerliche Bartos-Bashing jedenfalls, das in einigen Kraftwerk-Foren im Internet bis heute losbricht, wenn nur sein Name erwähnt wird, spricht Bände. Aber das ist nur ein Teil der Fans; die meisten wissen seinen Anteil an der Gruppe sehr wohl einzuordnen.

Nach seinem Weggang machte Bartos zunächst die unangenehme Erfahrung, dass etliche Türen, die ihm als Mitglied von Kraftwerk stets geöffnet worden waren, jetzt verschlossen blieben. Es ist interessant zu lesen, wie er sich dann doch irgendwie mit der Situation arrangierte, bis heute. Mehr erfahren hätte ich gern über seine Gastprofessur an der UdK in Berlin, aber da bleibt es bei wenigen Seiten.

Bartos ist kein professioneller Autor, dennoch liest sich das Buch gut und flüssig. Gelegentlich hätte man ihm ein besseres Lektorat gewünscht (falsch geschriebene Namen, gelegentliches überflüssiges Namedropping und die eine oder andere Stilblüte wären so vermeidbar gewesen), aber das ist Kleinkram. Gelegentlich verbleibt die Autobiografie mir ein bisschen zu sehr im rein Beschreibenden, ein bisschen mehr analytische Tiefe hätte an manchen Stellen nicht geschadet. Während die 1999 erschienene Autobiografie von Wolfgang Flür mir über weite Strecken eher "wishful thinking" gewesen zu sein schien, liest man Bartos' Buch aber auf jeden Fall mit Gewinn.

Karl Bartos:
Der Klang der Maschine.

Köln 2017
ISBN 978-3-8479-0617-9


Diese Besprechung erschien zuerst in manafonistas.de



So now we know that in reality this guy's name is Karlheinz. It changed into Karl not before his name was bended into a neon pipe for the Kraftwerk stage. Which is quite understandable: Karl is only half as expensive as Karlheinz.

If that would be all we could learn from the autobiography musician Karl Bartos just presented, 600 pages would be a bit too much. But we can learn several more things. And to avoid wrong expectations, you should see that this is the autobiography of Karl Bartos, not the story of Kraftwerk -- which, of course, takes the major part of the book and, to use his own words, sticks with him like a shadow. But it isn't his whole life.

Karl Bartos, born in Berchtesgaden, Bavaria, grown up in Düsseldorf, now living in Hamburg, is a skilled classical percussionist who played with schlager- and dance bands as well as in an opera orchestra. For his graduation at conservatory, he played Gary Burton's seemingly inconspicious solo composition "The Sunset Bell" -- but when you listen to it carefully, you will surely realize the high level of his vibraphone techniques. Consequently, Kraftwerk was not more than one job among several, until the Kraftwerkers asked him ultimately to be available exclusively for them (nobody could work for Mercedes and BMW, was their argument). They made him an entrepreneur this way who was allowed to have only one customer. But this probably occurred to him much later -- but then even more displeasing because there were no contracts and no clear agreements. Long lasting lawsuits followed immediately then.

But first, Bartos describes his years with Kraftwerk, which include the years from Radio Activity to Electric Cafe. Track by track we learn about they way the band worked, the "writing sessions" and his increasing part in them. He was far more than "just the drummer". Everybody who knows his later solo records is easily able to recognize Bartos' fingerprints in the music of Kraftwerk. Finally he was able to be mentioned as co-composer; later -- which was new to me -- Ralf and Florian ceded a share on the record sales to him.

We learn that the Radio Activity album was recorded on a borrowed 8-track tape recorder and Trans Europe Express was mixed at the hippest studios in the U.S., but the mix was dropped because it sounded too american. One of the most interesting chapters in the book is the long lasting drama of the Electric Cafe album. This started already with the mistake that EMI announced this record without asking Kraftwerk in advance, so the "Tour de France" 45 got a rushed release. The reason that the album got not finished was mainly their decision to change the studio equipment to digital devices. For this reason the whole studio had to be rebuilt, and -- this was the main problem -- the way Kraftwerk used to work and compose didn't work no longer. It was based on direct communication in the studio, but the digital technology set every musician back to only himself, and the band was not able to find a way out of this dilemma. They had to learn that it's not only the latest equipment that makes the music bloom, there are more important criteria, but they didn't find the way back to them. 

Karl Bartos left the band during their work on the Mix album, simply because there was nothing for him to do anymore. Hütter's and Schneider's inability to understand this decision is significant. But it speaks in his favor that he never uses his book to wash his dirty laundry in public, although the frustration sometimes is visible "between the lines". Also a lot of fans held his leaving against him. The sometimes really obnoxious "Bartos bashing" that still today breaks out in some online Kraftwerk forums on the web when only his name is mentioned speaks volumes. But that's only a part of fans. Most of them are well able to rate Karl's part in the group.

After his leaving, Bartos made the unpleasant experience that several doors that were always open for him as member of Kraftwerk now remained shut. It's interesting to read how he was able to come into terms with his new situation, up to the present day. I would have liked to know more about his visiting professorship at the University of Arts (UdK) in Berlin, but he offers not more than a couple of pages about this.

Bartos is not a professional writer, but anyways, the book is well written. Sometimes I would have wished him a better editing (some misspelled names, some useless namedropping, some bloopers could have been avoided this way), but that's not a big thing. Sometimes the autobiography remaines a bit to much in the pure description, a bit more analysis would have been nice. But while Wolfgang Flür's autobiography from 1999 seemed to be more "wishful thinking" that fact, Bartos' book is really worth the read.

Currently the book is available only in German language. Surely an English version will follow soon.


Karl Bartos:
Der Klang der Maschine.

Cologne 2017
ISBN 978-3-8479-0617-9


Sunday, September 10, 2017

Wednesday, September 6, 2017

Holger Czukay 1938-2017



Dear Prof. Holger,
bye bye -- see you later!

Sunday, August 27, 2017

Vagabundenkarawane




Gestern durch Zufall bei Youtube gefunden: Werner Penzels Dokumentarfilm Vagabundenkarawane von 1979  über die achtmonatige Reise der Gruppe EMBRYO mit drei ziemlich schrottreifen Bussen durch Griechenland, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan und Indien -- der Hippie-Trail im O-Ton sozusagen.

Lange Fahrten auf öden Straßen. Regenzeit. Brennende Sonne. Montezumas Rache. Und eine natürliche Geburt irgendwo am Ende der Straße in Afghanistan, aber auf eine Ärztin möchte man doch lieber nicht verzichten. Dazwischen Auftritte der Band, teils spontan und mit örtlichen Musikern, etwa dem Karnataka College of Percussion, aber auch mit z.B. einem lokalen Zauberer, der zum ersten Mal in seinem Leben auf einer elektrischen Orgel spielt. Andere, offizielle, Auftritte waren in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Goethe-Instituten organisiert.

Ich meine den Film 1979 oder 1980 in seiner Originalfassung im ZDF gesehen zu haben. Es gab ihn zeitweilig auch auf DVD, die aber sehr schnell zu Fantasiepreisen gehandelt wurde. Ich habe den Film deshalb seit damals nicht mehr wiedergesehen -- und nun, zu meiner Überraschung, steht er plötzlich auf Youtube (jetzt mit zeitgemäßem Deppenleerzeichen: "Vagabunden Karawane"), anscheinend sogar auf einem "offiziellen" Kanal, so dass man hoffen darf, dass er dort eine Weile bleiben wird. Der Film ist digital restauriert, dem Ton ist das gut bekommen, dem Bild nicht immer. Hauptproblem allerdings ist die Kürzung: Von den ursprünglich 115 Minuten sind jetzt nur noch 88 übrig. Man hat, wenn mich meine Erinnerung an die ZDF-Ausstrahlung nicht trügt, etliche Reisebilder weggelassen und weitgehend auf die erklärenden Kommentare verzichtet. Die fehlen dem Film jetzt. Man wollte sich offenkundig auf die Musik konzentrieren. Die allerdings, wenn wir mal ehrlich sind, ist nicht immer so mitreißend, dass sie den ganzen Film allein tragen kann. Ab etwa der sechzigsten Minute beginnt sich die Angelegenheit ein wenig zu ziehen.

Aber sehenswert ist die Vagabundenkarawane nach wie vor. Und die Musik dazu gibt es noch immer auf Doppel-LP oder einer leicht gekürzten CD -- einer meiner Langzeitbegleiter auf dem MP3-Player:




(dieser Eintrag wurde zuerst veröffentlicht auf manafonistas.de)

Sunday, July 16, 2017

Kraftwerk: 3-D Catalogue




Acht CDs liegen da vor einem, jede davon verpackt in einem grafisch exzellent gestalteten aufklappbaren Pappcover, und dazu noch ein 16-seitiges Gesamtbooklet.

Ob man so ein Paket braucht, kann nur jeder für sich entscheiden. Was man bekommt: sozusagen The Mix 2, diesmal aber das gesamte Repertoire von Kraftwerk von Autobahn bis Tour de France Soundtracks umfassend. Die Aufnahmen sind angeblich Live-Mitschnitte. Überprüfen lässt sich das nicht, da an keiner Stelle Publikum zu hören ist. Sicher ist lediglich, dass die CDs die Stücke so wiedergeben, wie Kraftwerk sie heute auf der Bühne präsentiert. Es ist nicht ganz unwichtig, das zu betonen, weil Hütter und seine Mitstreiter ihr Repertoire über die Jahre hinweg immer wieder variiert, neu arrangiert und umgestellt haben, und die Unterschiede sind zum Teil beträchtlich. So waren z.B. die "Autobahn"-Motorengeräusche auf dem originalen Album von 1974 synthetisch nachgestellt, was ihren eigentlichen spielerischen Charme ausmachte. Auf der "Autobahn"-Version vom Mix-Album (1991) ging dieser Charme verloren, weil man die Motorengeräusche durch gesampelte Originalklänge ersetzt hatte. Das sieht die Band inzwischen anscheinend selbst so, deswegen sind nun wieder die synthetischen Imitationen da, der Beat allerdings ist der von 1991.

Generell fällt auf, dass gegenüber den Aufnahmen aus der Mix-Ära die Rhythmik verändert wurde und sehr viele Samples aus den Originalaufnahmen integriert wurden, und in fast allen Fällen hat sich das gelohnt. Da etliche der Stücke über die Jahre hinweg kräftig eingekürzt und einige der Tracks zu Medleys zusammengefasst wurden, sind einige der CDs erstaunlich kurz geraten. Autobahn beispielsweise besteht, obwohl alle der ursprünglichen fünf Originaltitel verarbeitet wurden, nur noch aus zwei Tracks und dauert 26 Minuten. Trotzdem ergibt es Sinn, dass jedes Album wieder eine eigene CD ist, denn alle Kraftwerk-Alben waren in sich geschlossene Werke und sollten das auch bleiben.

Es lässt sich schwer sagen (weil subjektive Einschätzung), ob die neuen Fassungen "besser" oder "schlechter" als die Originale sind. Klanglich sind sie kristallklar und streckenweise im Bassbereich durchschlagend. Manche Tracks sind mir ein bisschen zu kirmeshaft geraten, andere erinnern an den Alleinunterhalter auf Hochzeitsfeiern, andere sind sehr gelungen. Ich für meinen Teil würde in den Fällen Autobahn, Radio-Aktivität, Trans Europa Express und Computerwelt die Originale bevorzugen, in anderen Fällen hält es sich die Waage; im Fall Tour de France Soundtracks hat die neue Version sogar deutlich gegenüber dem Originalalbum von 2003 gewonnen.

Besonders interessant ist die CD 7, die das Repertoire des Mix-Albums plus die "Planet of Visions"-Single enthält. Diese Scheibe ist nämlich in Headphone-3D abgemischt. Dass Kraftwerk live oftmals mit dem Wellenfeldsynthese-Verfahren arbeitet und dadurch ein Klangerlebnis bietet, dass das Publikum von allen Seiten mit 32 Tonkanälen einschließt, wird mit diesem Verfahren für ganz normale Kopfhörer simuliert. Das erinnert ein bisschen an Kunstkopf-Stereophonie, wie sie etwa Can oder Tangerine Dream schon in den 70er Jahren geboten haben, beruht nun allerdings auf einer elektronischen Simulation des Kunstkopfes. Das funktioniert tatsächlich, klingt im Kopfhörer sehr gut, über Lautsprecher allerdings funktioniert es nicht vernünftig (wie damals schon Kunstkopfaufnahmen).

Die ersten drei Alben sind nicht dabei; Ralf Hütter hat irgendwann mal entschieden, dass er sie nicht zum gültigen Repertoire rechnen möchte. (Wie ich aus gewöhnlich gut informierten Kreisen höre, sind die ersten drei Alben bereits remastert und sollen als 2-CD-Box mit viel grafischem Material veröffentlicht werden, aber keiner weiß, wann. Und ob überhaupt.) Über diese Entscheidung kann man streiten. Ich finde ja, dass Autobahn noch deutlich dichter an Ralf & Florian anknüpft als an, sagen wir: Trans Europa Express, aber Hütter hat das so entschieden. Er hat sich offenkundig in die 12345678-Idee verliebt, und da er uns nichts schuldig ist, kann man das nur akzeptieren oder nicht. Deswegen übrigens glaube ich an kein neues Kraftwerk-Album mehr; eine 9 würde nicht mehr ins Konzept passen. Satt dessen hat sich Hütter für eine Art Never-ending-Tournee entschieden und uns davon jetzt eine Ansichtskarte geschickt -- auch nicht schlecht. Immerhin jedenfalls sind die Konzerte innerhalb von Minuten ausverkauft, und die Besucher sind durchweg begeistert, also macht er offenbar irgendetwas richtig.

Es ist noch darauf hinzuweisen, dass es dieses Paket auch auf Vinyl gibt. Außerdem gibt es das Gesamtpaket als 3D-Blue-Ray mit entsprechendem Sound, und alle, die das Ding in meinem Umfeld bisher gehört bzw. gesehen haben, sind begeistert. Ich kann dazu mangels entsprechender Anlage nichts sagen.


(Sorry, no English translation this time. Dieser Beitrag erschien zuerst bei manafonistas.de)

Monday, May 29, 2017

Grüne 1987



Ein Ausschnitt aus dem Parteiprogramm der Grünen aus dem Jahr 1987. Wer es nicht mehr erinnert: "IuK-Techniken" (sie meinen "Technologien", aber lassen wir das mal beiseite) steht für "Informations- und Kommunikationstechnologien", damals im Vor-Internetzeitalter das Schlagwort für alles, was mit Computern und Digitalisierung zu tun hatte.

Man fragt sich, was die Grünen damals unter "nicht-technologischen Alternativen" verstanden haben. Trommeln? Treppenhaustratsch? Flurfunk? Rauchzeichen?

Ich erinnere dunkel, dass mir bei einem Besuch des Abgeordnetenhochhauses Ende der 1980er Jahre (damals noch in Bonn) an einigen Türen von Grünen-Büros der Aufkleber "In diesem Büro gibt es keine Computer" aufgefallen ist. Sehr beruhigend, schon damals.

Sunday, April 30, 2017

Pittsburgh Symphony Orchestra



Anton Bruckner: Symphony No. 8

Pittsburgh Symphony Orchestra
Manfred Honeck, conductor

Pittsburgh, Heinz Hall, April 30, 2017

Sunday, April 2, 2017

Bryan Ferry




Pittsburgh, Heinz Hall, April 1, 2017


Man könnte diesen Mann im Schlafanzug auf die Bühne stellen, und er hätte immer noch Stil. Ein bisschen kurzatmig ist er ja geworden, der gute Bryan, und die ganz hohen Töne übernehmen inzwischen Backup-Sängerin und -Sänger, aber was soll’s. Der ehemalige Roxy-Music-Sänger ist 71, da ist das nun mal so. Aber was er und seine achtköpfige Band da gestern abend in Pittsburghs Heinz Hall auf die Bühne stellten, das war beachtlich. Chris Spedding an der Gitarre, der allerdings meist dem jüngeren Gitarristen Jacob Quistgaard aus Dänemark das Feld überließ. Der wahre Show-Act allerdings war die australische Saxofonistin Jorja Chalmers, die wirkte wie unmittelbar aus einem film noir aus der Leinwand gesprungen.

Geboten wurden „Greatest Hits“. Ein paar ältere und neuere Ferry-Klassiker („Slave to Love“, „Bête Noir“ und andere), doch dreiviertel der Setlist stammte aus Roxy-Music-Zeiten. Offenkundig hat sich Ferry damit abgefunden, dass dies die Songs sind, die das Publikum hören möchte, und er bringt sie gut. „Ladytron“, „Bitter Sweet“, „Love is the Drug“, „Re-make / Re-model“, „More Than This“, „Avalon“ – alles war dabei, und nichts wirkte angestaubt, trotz der etwas einfallslosen Lightshow, bei der sogar die gute alte Spiegelkugel exhumiert wurde. Besonders bemerkenswert im übrigen das Instrumental „Tara“, das allen Bandmitgliedern Gelegenheit zum Solieren gab (und dem Sänger ein "pee break", wie die Amerikaner das nennen, wenn der Star während der Show kurz von der Bühne verschwindet), und eine Coverversion von Neil Youngs „Like a Hurricane“.

Tja, und dann passierte es: Mitten in „Virginia Plain“, als schon längst alle Besucher in den Sitzreihen standen, hauchte mit einem schrillen Pfeifton die PA ihr Leben aus und ließ sich nicht mehr reanimieren. Nach zehn Minuten Ratlosigkeit erschien die Violinistin der Band, Marina Moore, auf der Bühne und spielte – unverstärkt und solo – ein paar Minuten lang ein Werk, das eine der Soloviolin-Partiten von Bach gewesen sein könnte. Danach erschien noch einmal kurz Bryan Ferry, sagte über die Hausanlage irgendetwas, das niemand verstand, aber sein Abschiedswink war eindeutig. Der Setlist nach verpassten wir noch „Let’s Stick Together“, „Jealous Guy“ und „Editions of You“.


Das Publikum nahm’s gelassen. Was blieb auch anderes übrig.



(Dieser Beitrag erschien zuerst bei manafonistas.de)

Here the review by Scott Mervis, Pittsburgh Post-Gazette.

Wednesday, March 22, 2017

Fundstück / Find



Gerade durch Zufall wiederentdeckt: Lakmés und Mallikas "Blumenduett" (aus der Oper Lakmé von Léo Delibes). Als ich 1993 mit Medienwelten durch Buchhandlungen tourte, habe ich meine Lesung jedesmal mit dieser Computeranimation beendet. Hat immer funktioniert.

Just rediscovered by chance: Lakmé's and Mallika's "Flower Duet" (from opera Lakmé by Léo Delibes). When in 1993 I toured bookstores with Medienwelten (Worlds of Media), I always finished my reading with this computer animation. It always worked.

Friday, February 17, 2017

Hamburg '75

Da schien noch ein richtiger Mond in der Nacht, die Musik ha’m wir noch mit der Hand gemacht. Und überall verkleisterte die Teldec ihre „Top Scene Hamburg“-Aufkleber. Michael Engelbrechts Schockerlebnis im Hamburger „Remter“, einem Jazzclub im Keller der Handwerkskammer, mit Doof-Dixie und Bierseligkeit, während der große Jarrett im CCH konzertiert und einem Katrin durch den Kopf geistert — ja, ich kann es nachvollziehen. Das „Remter“ (abgeleitet von lat. refektorium = klösterlicher Speisesaal) war, wenn ich nicht irre, einer von Hamburgs ältesten Jazzclubs überhaupt, obwohl sich um diesen Titel immer auch der „Cotton Club“ am Alten Steinweg, die „Riverkasematten“ direkt am Elbufer und das „Barett“ irgendwo in Dammtornähe stritten. Letzterer Laden dürfte gewonnen haben, zumindest als Musiklokal — schon in den dreißiger Jahren hatte dort „Meister Kück an zwei Klavieren“ gespielt. Also wenn das keine Tradition ist!

„Jazz“ in Hamburg hat immer die Pflege des Althergebrachten bedeutet. Damit hatte man sich abzufinden. Das „Birdland“ in der Gärtnerstraße, wo auch anderes möglich wurde, lag noch in weiter Ferne, und die Hamburger Jazzbands waren durchweg pflegeleicht und konnten alles, von der Jazzband-Battle im Schauspielhaus bis zur Möbelhauseröffnung Montag morgen um zehn. Die Jazzkneipen hatten den typischen 70er-Charme; der Wirt der „Riverkasematten“ war es schon gewohnt, dass regelmäßig im Frühling ihm der Fluss einen Besuch abstattete und der Laden dann wochenlang durchfeuchtet roch, im „Cotton Club“ dauerten Sessions manchmal bis in den Morgen, die Musiker schliefen dann auch gern mal dort und wurden morgens vom Wirt mit Schlehengeist geweckt. Vom Pö gar nicht zu reden.

Wenn man allerdings den traditionellen Jazz mal für fünf Minuten ernst nimmt und sich die damalige Hamburger Szene etwas genauer ansieht, dann kommt man nicht umhin, festzustellen, dass die so einseitig und langweilig gar nicht war. Der Kornettist Albrecht „Abbi“ Hübner etwa, Polizeiarzt im bürgerlichen Beruf („Bullendoktor“, wie er sich vorzustellen pflegte), hatte mit seinen Low Down Wizards eine Band zusammengestellt, die auf den klassischen New-Orleans-Stil etwa eines King Oliver spezialisiert war, und wenn sie Nummern wie „Everybody Loves My Baby“ oder den „Basin Street Blues“ spielten, dann klangen die meisten „originalen“ Bands aus New Orleans blass dagegen. Wer’s nicht glaubt, höre sich das Doppelalbum City Jazz von 1974 an. (Abbi Hübner’s Low Down Wizards sind heute Ehrenbürger von New Orleans, mit Recht. Leider hat die Band später dann auch deutsche Volkslieder „verjazzt“, wie man das damals nannte.)

Einige der Hamburger Bands hatten exzellente Instrumentalisten an Bord, Peter „Banjo“ Meyer von den Jazz Lips sei genannt, Michael „Ede“ Wolff mit dem Sousaphon, der Drummer Thomas Danneberg, der ohne Hi-Hat, aber mit einer riesigen Bassdrum und diversen hölzernen Klanggeräten meisterlich den Drumstil der frühen 20er Jahre beherrschte, der Klarinettist Günther Liebetruth, dessen Improvisationen oft an einen Schlangenbeschwörer denken ließen. Gottfried Böttger, der virtuose Ragtimepianist, den ich noch bei Kneipenauftritten erlebt habe, Lorenz „Lonzo“ Westphal, der nicht weniger virtuose Geiger, der später nach einem schweren Unfall zum Alkoholiker wurde und inzwischen nicht mehr lebt. Ingeburg Thomsen, eine Sängerin, bei der man sich stets fragte, wo dieser kleine Körper solch eine Stimme hernehmen konnte (sie tauchte später in verschiedenen Filmen Horst Königsteins auf, und ich glaube auch in der Gruppe Leinemann). Es gab ein Doppelalbum namens Hamburg Allstars, 1974 auf dem Brunswick-Label erschienen, auf dem die fast alle zusammen spielen. Ein echtes Schätzchen.

Hübner, die Jailhouse Jazzmen, die Jazz Lips, Brunos Salon Band, die Blackbirds of Paradise, St. John’s Jazzband, das Ballroom Orchestra, die Revival Jazzband: sie deckten die Palette zwischen Straßenjazz und den Swingorchestern in den Tanzsälen der Edelhotels ab. Bei allem Unernst, der den meisten dieser Bands zu eigen war, wussten sie doch sehr genau, was sie spielten und in welcher Tradition sie standen. Auf dem Doppelalbum Hamburger Jazz-Scene, bei Metronome veröffentlicht, sind die besten dieser Bands mit Aufnahmen zwischen 1969 und 1972 versammelt. Gelegentlich gab es dann auch mal Ausflüge in angrenzende Nebenschauplätze, etwa Meyers Dampfkapelle, die sogar einen echten Hit hatten: „Ich mag so gern am Fließband steh’n“, getextet und gesungen von dem „Lästerlyriker“ Hans Scheibner. Es gibt nicht viele Gedichte, die ich auswendig kann. Zwei davon immerhin sind von ihm.

Und es gab, man glaubt es nicht, auch experimentierfreudige Jazzer. Die Travelin‘ Jazzmen etwa traten zeitweise mit einem versierten langhaarigen Rockdrummer und einem aus Brasilien stammenden Bassgitarristen auf, die jeden Donnerstag den Cotton Club in Vibration versetzten. Deren Boss, der Trompeter Günter Heide, im Brotberuf Lesezirkelbote, hatte bei irgendeiner Gelegenheit die Lightshow gesehen, in der ich damals mitmachte („Waves“ hieß die, war spezialisiert auf Clubs und Jugendzentren), und irgendetwas ritt ihn, uns zu fragen, ob wir das nicht auch am nächsten Mittwoch in der „Seglerbörse“ (einem Jazzclub am Blankeneser Elbufer, eigentlich eine bessere Bretterbude) mit seinen Travelin‘ Jazzmen probieren wollten. Wir hätten das ja glatt gemacht. Leider wollte dann der Wirt der Seglerbörse nicht. Buntes Flackerlicht, psychedelische Dias, Schaum- und zerfließende Ölprojektionen zur „Bourbon Street Parade“, dem „Washboard Wiggle“ oder Günters Signature Tune „Sheik of Araby“ — um so eine Gelegenheit hätte uns bestimmt sogar die ehrwürdige Joshua Lightshow aus San Francisco beneidet.

(Dieser Post erschien zuerst in manafonistas.de)

Tuesday, February 7, 2017

1-A Düsseldorf: Uraan



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Nach 13 Jahren eine neue Platte von 1-A Düsseldorf, ihre sechste insgesamt. Möglich wurde das durch einen Irrtum. Eine CD, die 2014 versehentlich Thomas Dinger zugeschrieben und deshalb wieder vom Markt genommen wurde, brachte das japanische Label Suezan Studio dazu, statt dessen jetzt Uraan zu veröffentlichen. Und der ehemalige Can-Sänger Damo Suzuki gab nach etlichen Jahren sein Okay zur Veröffentlichung einiger Sessionaufnahmen aus den Jahren 1985 bis 1994 und ist jetzt hier auf zwei Titeln zu hören („Schwermental“ und das etwas lang geratene „Brainshake“). Klar, man erkennt seine Stimme, irgendwelche vokalistischen Sensationen liefert er aber nicht.

1-A Düsseldorf, ursprünglich mal von Thomas Dinger ins Leben gerufen, um unabhängig von seinem sehr dominanten Bruder Klaus eigene Ideen verwirklichen zu können, sind nach seinem Tod im Kern der ehemalige Beuys-Student Nils Kristiansen (Gitarre, Vocals), Thomas‘ Cousin Dirk Flader (Gitarre und Bass; er war auch in Klaus‘ Projekt La!Neu? involviert) und Steffen Domnisch (Drums, Keyboards). Dazu die Gäste Viktoria Wehrmeister (Gesang), der Inder Attila Mihci (Gesang, Gitarre), der Chilene Francisco Cabañas Gac (Gesang), Jule Rössler (Gesang) und der Iraner Schoeleh Djannessari (Gesang).

Neun Titel verzeichnet das Cover, zehn sind es tatsächlich, wobei der hidden track mit dem Titel „The Tyson Finish“ einer der besten des Albums ist — er könnte glatt als Parodie auf die Eurodisco-Welle der 90er durchgehen, ist aber doch um einiges raffinierter zubereitet. Meine anderen Anspieltipps sind das recht kompakte „1941 WLDR“ und der 13-Minuten-Trip „Herr Khan“.

Das Ganze ist ziemlich vielseitig, hat einen Sound, den man sofort mit Düsseldorf assoziiert und ist sehr hörenswert. 1-A Düsseldorf versuchen an keiner Stelle, irgendwelchen Trends zu folgen oder Erwartungshaltungen zu erfüllen, sondern sie machen das, was sie wollen. Das funktioniert nicht in allen Stücken gleichermaßen gut, aber wirkliche Durchhänger gibt es nicht. Die Band kann sich das leisten, da das Album ohnehin auf nur 150 Exemplare limitiert ist und insofern keiner damit Geld verdienen kann. Diese Unabhängigkeit zahlt sich musikalisch aus.


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Zu beziehen derzeit nur beim Label direkt.


(Dieser Beitrag wurde zuerst veröffentlicht in manafonistas.de)



A new record by 1-A Düsseldorf after 13 years, it's their sixth. It was a flaw that made it possible. In 2014, accidentally a CD that was ascribed to Thomas Dinger had to be taken off the market, and so the Japanese label Suezan Studio released this one instead. And Damo Suzuki, former singer of Can, after several years gave his blessings to use of some session recordings from the years 1985 to 1994, and so now we can hear him on two tracks ("Schwermental" and "Brainshake", the latter a bit longish). Of course, his voice is clearly recognizable, but without any vocally sensations.

1-A Düsseldorf, originally founded by Thomas Dinger as a place to realize his own ideas independently from his overbearing brother Klaus, are now the former Beuys student Nils Kristiansen (guitar, vocals), Thomas' cousin Dirk Flader (guitar and bass; he was involved also in Klaus' project La!Neu?) and Steffen Domnisch (drums, keyboards). Additionally there are guest musicians Viktoria Wehrmeister (vocals), Attila Mihci from India (vocals, guitar), Francisco Cabañas Gac from Chile (vocals), Jule Rössler (vocals) and Schoeleh Djannessari from Iran (vocals).

The cover lists nine tracks, actually there are ten; the hidden track, entitled "The Tyson Finish" is one of the best of the album -- it could easily be a parody on the Euro Disco wave of the nineties, but it is finished much better. Except this one, my recommendations for a start are the rather compact "1941 WLDR" and the 13-minute trip "Herr Khan".

The whole album is quite multifaceted, has a sound one associates with Düsseldorf immediately and is very worth a listen. 1-A Düsseldorf never try to follow any trends or to fulfill expectations. They do what they want to do. This dosen't work equally well in all tracks, but there are no misses. The band is able to do it this way because the print run of the album is limited to only 150 copies, so nobody can make much money with it anyway. This independency pays off musically. 


1-A Düsseldorf:
Uraan
Suezan Studio SSZ 3026, Japan
Available only directly from the label.