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Wednesday, March 19, 2025

Das fidele Grab an der Donau

 

(Scroll down for english language)

Als das fidele Grab an der Donau hat der Schriftsteller Alfred Polgar damals sein Wien beschrieben. Dieser Satz hat viele Dimensionen. Nicht zuletzt ist er der Titel eines Buches von Georg Stefan Troller, im Untertitel "Mein Wien 1918 - 1938".

 

 

Der Filmemacher, geboren 1921, nimmt uns in diesem Buch mit auf eine Reise durch die Zeit zwischen den Weltkriegen, dokumentiert sie in Zeitzeugenaussagen, Zeitungsartikeln, Filmen, Kabarett, und nicht zuletzt durch seine eigenen Erinnerungen -- er war damals schon um die 80, hatte also reichlich davon (heute ist er 103!). Und sie sind keineswegs nur romantisch, sondern Resultat scharfer Beobachtung und eines bisweilen harten, polemischen Humors, wie man es auch aus seinen Filme kennt. Anders wäre die Geschichte auch nur schwer zu ertragen. 

Dieses Buch ist bereits 2004 erschienen. Ich, alter Wien-Fan, habe es damals gekauft und irgendwie im Regal vergessen. Jetzt habe ich es wiederentdeckt -- was für eine Entdeckung! 

Und wie verdammt aktuell sie ist.

Das alte Café Central ist der Ausgangspunkt. Das "alte", das "klassische" Wien, das Wien der Caféhäuser, das Wien der Zwischenkriegszeit, der zerfallenden Restbestände der K.u.k.-Monarchie, um sie geht es. Man liest, wie Wien versuchte, nach dem Ersten Weltkrieg so etwas wie eine neue Identität aufzubauen, die dann aber in Jahre des Verschweigens und Verfälschens mündete. Es geht um die Vergeblichkeit solcher Bemühungen, um die an sich selbst verzweifelnde (gelegentlich auch selbstmitleidige) Kulturszene jener Jahre. Denn in Wirklichkeit war natürlich nichts so, wie es zu sein schien, und alle Bemühungen führten -- nun ja, man weiß, wohin sie führten. Der Autor erspart uns das nicht.

Auslöser war ein Filmdreh. Troller, dem wegen des geplanten Abrisses der Zugang zum alten Café Central behördlich verwehrt wurde, ließ sich mit seinem Filmteam heimlich im Gebäude einschließen und wurde nächtens in einem Kellerraum fündig: Dort fand er sie aufbewahrt, die Überbleibsel des alten Caféhauses, die Tische, die Schachbretter, Garderobenständer, Geschirrteile, die alte Kasse, "sogar eine Originalnummer des expressionistischen Sturm", und unter dem Teppich ein Mosaik: "Eingang Café Central". Damit beginnt das Buch, "Der Neubeginn 1918 - 1924" heißt das Kapitel, und man ahnt bereits dort, dass der Neubeginn keiner sein wird. 

Das Café Central war, wie Polgar sagt, gelegen "unterm wienerischen Breitengrad am Meridian der Einsamkeit. Kein Caféhaus wie andere Caféhäuser, sondern eine Weltanschauung, und zwar eine, deren innerster Inhalt es ist, die Welt nicht anzuschauen. Seine Bewohner sind größtenteils Leute, die allein sein wollen, aber dazu Gesellschaft brauchen."

 


Wir begegnen den klingenden Namen damaliger Stammgäste: Schnitzler, Werfel, Kraus, Musil, Kisch, Kuh, Torberg, Friedell, Klimt, und und und. Ein intellektueller, überwiegend jüdischer Zirkel. 

Eine große Zahl ebenso großer Namen fliegt en passant vorbei, von Fritz Lang bis zu Conrad Veidt, von Gustav Mahler bis zu Arnold Schoenberg, von Kurt Tucholsky bis zu Erich Kästner. Ein spezieller Favorit Trollers ist der jüdische Kabarettist und Autor Jura Soyfer, "der Wundermann" (Troller), dessen Weg quer durch das ganze Buch immer wieder beleuchtet wird. In jenen Zwischenkriegsjahren gehörte Soyfer zu den produktivsten Wiener Satirikern, im winzigen Kabarettkeller ABC fand man ihn ebenso wie im renommierten Ronacher. Seit Urzeiten habe ich Soyfers literarisches Werk im Regal stehen, zwei schmale Bände, Lyrik und Prosa. Denn zu mehr kam er nicht: Beim Versuch, auf Skiern in die Schweiz zu flüchten, wurde er entdeckt. Er starb 1939 im KZ Buchenwald. (Die Wiener Band Schmetterlinge widmete ihm eines ihrer besten Alben: Verdrängte Jahre -- Österreich zwischen den Kriegen; erschienen 1981; mit etwas Glück kann man die LP manchmal noch gebraucht finden.) 

"Geh'ma halt a bisserl unter" heißt einer von Soyfers bissigen Kabaretttexten. Er weist den Weg in den Fortgang der Geschichte: in den Untergang, der sich dann aber leider nicht nur als a bisserl erwies. Am Anfang stand, was Karl Kraus als "Die Ratten betreten das sinkende Schiff" bezeichnete -- die vor den aufkommenden Nazis nach Österreich fliehenden Deutschen nämlich. Ihre Flucht half ihnen nicht, denn die Fluchtursache folgte ihnen -- und sie wurde willkommen geheißen.

Troller schildert dieses Umkippen der österreichischen Gesellschaft bis 1938. Er selbst gehörte zeitweilig zur Bündischen Jugend: "Wir waren inmitten von lauter fanatischen Mitläufern, sowas wie ein Stück Basisdemokratie: Frühhippies, Ökologen, Aussteiger, Widerständler, Selbstverwirklicher." Es war eine sehr ambivalente Bewegung. Sie ließ sich in Teilen einkaufen, und damit passte sie ins allgemeine Bild dessen, was sich da zusammenbraute. Troller schildert die immer weiter zunehmende Bereitschaft der Österreicher, sich mit den neuen Herren zu arrangieren. Ihre Gemeinheit, ihre Kleinkariertheit, die Politisierung jeder gesellschaftlichen Banalität, der zunehmende Antisemitismus, der in offenen Judenhass kippte.

Und jeder, der heute mit offenen Augen durch die politische Landschaft läuft, wird zusammenzucken, wie aktuell das alles wirklich ist.

 

Georg Stefan Troller:
Das fidele Grab an der Donau
Mein Wien 1918 - 1938
(mit zwei Fotostrecken)
Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich 2004
ISBN 3-783538-07188-9


*


The merry grave at the River Danube: This is how the writer Alfred Polgar then described his Vienna. This sentence has many dimensions. Not least, it is the title of a book by Georg Stefan Troller, subtitled "My Vienna 1918-1938."

 


In this book, the filmmaker, born in 1921, takes us on a journey through the period between the world wars, documenting it through eyewitness accounts, newspaper articles, films, political cabaret, and not least through his own memories – when he wrote this book, he was around 80 years old, so he had plenty of them (now he's 103!). And they are by no means merely romantic, they are the result of keen observation and an occasionally harsh, polemical humor, as one also knows from his films. Otherwise, the story he tells here would be hard to bear.

This book was published in 2004. As a long-time Vienna fan, I bought it back then, but somehow forgot it on the shelf. Now I've rediscovered it – what a discovery!

And how damn relevant it still is.

The old Café Central is the starting point. The "old," "classical" Vienna, the Vienna of the cafés, the Vienna of the interwar period, the decaying remnants of the Austro-Hungarian Empire—these are the topics at issue. We read how Vienna attempted to build something like a new identity after the First World War, but this ultimately resulted in years of concealment and falsification. It is about the futility of such efforts, about the self-despairing (and occasionally self-pitying) cultural scene of those years. Because in reality, of course, nothing was as it seemed, and all efforts led—well, we know where they led. The author doesn't spare us that.

The trigger was a film shoot. Troller, who was officially denied access to the old Café Central due to its planned demolition, secretly locked himself and his film crew in the building and discovered what he was looking for in a basement room one night: There he found the remnants of the old café: the tables, the chessboards, coat racks, pieces of crockery, the old cash register, even an original issue of the expressionist Sturm magazine, and a mosaic under the carpet: "Entrance to Café Central." This is how the book begins. The chapter is titled "The New Beginning 1918-1924," and one already senses that this will not be a new beginning.

The Café Central was, as Polgar says, located "below the Viennese parallel on the meridian of solitude. Not a café like other cafés, but a worldview, one whose innermost content is not to look at the world. Its inhabitants are mostly people who want to be alone but need company to do so."

 

 

We encounter the illustrious names of regulars from that time: Schnitzler, Werfel, Kraus, Musil, Kisch, Kuh, Torberg, Friedell, Klimt, and many more. An intellectual, predominantly Jewish circle.

A large number of equally great names fly by in passing, from Fritz Lang to Conrad Veidt, from Gustav Mahler to Arnold Schoenberg, from Kurt Tucholsky to Erich Kästner. A particular favorite of Troller's is the Jewish cabaret artist and author Jura Soyfer, "the miracle man" (Troller), whose career is repeatedly illuminated throughout the book. In those interwar years, Soyfer was one of the most prolific Viennese satirists; he could be found in the tiny ABC cabaret cellar as well as at the renowned Ronacher. Soyfer's literary works live on my shelf for ages: two slim volumes, Poetry the one, Prose the other. That's all he was able to finish: He was discovered while attempting to escape to Switzerland on skis. He died in Buchenwald concentration camp in 1939. (The Viennese band Schmetterlinge dedicated one of their best albums to him: Verdrängte Jahre -- Österreich zwischen den Kriegen (Repressed Years - Austria Between the Wars), released in 1981; with a bit of luck, you can sometimes still find a used copy of the LP.)

"Geh'ma halt a bisserl unter" (Let's just have a little downfall) is the title of one of Soyfer's biting cabaret lyrics. In a charmingly sweet Viennese accent, it points the way to the continuation of history: into downfall, which unfortunately turned out to be more than just a little. At the beginning was what Karl Kraus called "The rats boarding the sinking ship" -- which meant the Germans fleeing to Austria from the rising Nazis. Their escape didn't help them, because the reason for their escape followed them -- and it was welcomed.

Troller describes this upheaval in Austrian society up until 1938. He himself was a member of the Bündische Jugend (a political youth organization) at that time: "We were surrounded by a whole bunch of fanatical followers, something like a piece of grassroots democracy: early hippies, ecologists, dropouts, resistance fighters, self-actualizers." But it was a very ambivalent movement. It was partly bought off, and thus fit into the general picture that was going to come. Troller describes the ever-increasing willingness of Austrians to come to terms with the new masters. Their meanness, their pettiness, the politicization of every social banality, the growing anti-Semitism, which tipped into open hatred of Jews.

And anyone who walks through the political landscape today with their eyes open will be shocked at how relevant all of this really is.


Georg Stefan Troller:
Das fidele Grab an der Donau
Mein Wien 1918 - 1938
(Book in German language,
included are two photo galleries)

Artemis & Winkler, Düsseldorf und Zürich 2004
ISBN 3-783538-07188-9




Thursday, March 13, 2025

Kraftwerk, Pittsburgh 03-07-2025

 

 

Kraftwerk

Pittsburgh, Stage AE, March 7, 2025

 


 

(Scroll down for english translation) 

Gerade lese ich ein Interview mit Karlheinz Stockhausen, das er 2004 dem Schweizer Kunstkritiker und -kurator Hans Ulrich Obrist gegeben hat. Immer wieder staune ich, welch ein ungeheures Potenzial von Kreativität und künstlerischer Wachheit der Komponist noch drei Jahre vor seinem Tod, im Alter von immerhin 76 Jahren, zu vermitteln verstand. Bis zuletzt hat dieser Mann immer wieder neue Ideen produziert und neue Kompositionen vorgelegt, elektronische ebenso wie akustische. Und auch über die Live-Präsentation seiner Werke unter räumlichen Gesichtspunkten hat er stets nachgedacht. Das war ein Lebensthema für ihn -- an Gruppen sei erinnert, das drei Orchester im Konzertsaal verteilte und dabei die räumliche Anordnung und Interaktion der Instrumente zum Teil der Komposition machte. Es gab den elektronischen Gesang der Jünglinge, ein fünfkanaliges Werk: Vier Kanäle um das Publikum herum, ein fünfter kam von oben. Mit dem Architekten Fritz Bornemann entwarf Stockhausen ein kugelförmiges Rundum-Auditorium, das zur Expo 70 in Japan gebaut (und danach leider abgerissen) wurde. Oder Sternklang, das fünf teils akustische, teils elektronische Ensembles so weit voneinander entfernt in einer Parkanlage aufstellte, dass die sich gegenseitig gerade noch hören konnten. Das Publikum konnte zwischen den fünf Podien spazierengehen. Es gab Fresco, eine von Stockhausen so bezeichnete "Wandelmusik" für vier Orchestergruppen in mehreren Räumen eines Hauses. Der Opernzyklus LICHT spielte die räumlichen Ideen immer weiter durch, bis hin zu einem Streichquartett in vier fliegenden Hubschraubern. Es gab die achtkanalige Oktophonie, und die ebenfalls achtkanaligen Unsichtbaren Chöre, ebenso das letzte noch von Stockhausen selbst realisierte Werk Cosmic Pulses, in dem die präzise ausgetüftelte räumliche Positionierung und Bewegung von Klängen im Raum in eine Komplexität mündet, die (zugegeben) kaum noch differenziert durchhörbar ist.

An all das musste ich denken, als ich letzte Woche (zum neunten Mal seit 1971!) Kraftwerk auf der Bühne erlebt habe. Denn wenn irgendeine Band wirklich prädestiniert wäre, eine solche räumliche Platzierung und Bewegung von Klängen auf der Konzertbühne und dem Raum drumherum zu realisieren, dann wäre das Kraftwerk. Die Gruppe hat Vergleichbares mit einem 32-kanaligen 3D-Tonsystem namens "Wellenfeldsynthese" zumindest in Ansätzen schon gemacht. Lange Zeit auch wurden die Konzerte mit 3D-Projektionen verräumlicht, ihr letztes Jahr 50 gewordenes Superwerk Autobahn hat die Gruppe soeben als räumlichen Dolby-Atmos-Mix wiederveröffentlicht.

Ich hatte gehofft, die derzeitige "Multimedia"-Tournee der Band durch die USA und Kanada mit 32 Stationen würde irgendetwas in dieser Richtung bieten. Aber die Chance wurde leider nicht genutzt.

Stattdessen wurde die klassische Schuhschachtel-Anordnung präsentiert: Vorn die Musiker in den inzwischen bekannten illuminierbaren Neon-Anzügen vor ihren Pulten auf der LED-bestückten Bühne, hinter ihnen ein elektronischer Großbildschirm mit sehr guter Bildqualität, Lautsprecher links und rechts, eine Subwoofer-Batterie vor der Bühne. Geboten wurden "Greatest Hits", dazwischen auch einige eher selten gespielte Stücke ("Tango", "Ätherwellen").

 

 

 

Hier ist die Setlist:

  • Numbers / Computer World / Computer World 2
  • Home Computer / It's More Fun to Compute
  • Spacelab
  • Airwaves
  • Tango
  • The Man-Machine
  • Electric Café
  • Autobahn
  • Computer Love
  • The Model
  • Neon Lights
  • Geiger Counter
  • Radioactivity
  • Tour de France / Tour de France Étape 3 / Chrono / Tour de France Étape 2
  • La Forme
  • Trans-Europe Express / Metal on Metal / Abzug
Zugaben:
  • The Robots
  • Planet of Visions
  • Boing Boom Tschak / Musique Non Stop

 

 

Dass die Band sich von der 3D-Projektion verabschiedet hat, geht in Ordnung, ich habe sie nicht vermisst, zumal die dafür erforderliche Papp-Brille nach einiger Zeit auch lästig wurde. Auch die "live" auftretenden "Robot"-Kleiderständer sind nicht mehr dabei, sie finden nur noch auf der Projektionswand statt. Dieser Gag war nun auch wirklich allmählich abgeleiert. Interessant, nebenbei bemerkt, dass die Figuren im Film immer noch die Gesichter der früheren Bandmitglieder zeigen.

Kraftwerk ist bekannt für exzellente Soundqualität, und ich kann das aus eigener Erfahrung bestätigen. Was sie allerdings hier in der "Stage AE" klanglich anboten, war leider einfach Matsch. Die relativ kleine Halle war anscheinend einfach "über-equipped". Eine irre Lautstärke brachte sich überschreiende Höhen, überlagert von Bass-Impulsen der Subwoofer, die Tritten in die Magengrube gleichkamen. Ich habe im Laufe der Jahrzehnte viele Konzerte mit hohen und sehr hohen Lautstärken erlebt und überstanden. Dies war das erste Konzert, nach dem ich nicht sicher war, ob ich einen Trommelfellriss oder einen Hörsturz erlitten hatte und die Emergency aufsuchen sollte. Über Nacht hat sich die Sache wieder halbwegs normalisiert. Eine solche Soundkatastrophe sollte einem routinierten Mischpultmann nicht passieren. Und wenn das dann in der Lokalpresse noch als "Spitzensound" bezeichnet wird, dann frage ich mich, ob die Leute überhaupt noch einen Maßstab dafür haben, was in einem Popkonzert "guter Sound" bedeutet. Oder gilt es mittlerweile schon als solcher, wenn das Publikum von der Subwooferbatterie vor der Bühne nur massiv genug durchgeprügelt wird?

Oder sollten solche Fragen der Band mittlerweile egal sein? Es würde zum Gesamtbild des Abends passen: Etliche kleine Pannen (insbesondere der Neonanzüge) waren zu bemerken, die Lustlosigkeit der vier Herren, die kaum mal von ihren Pulten aufsahen, war ebenfalls nicht zu übersehen. Nach "Trans Europe Express" verließen sie die Bühne, kamen dann aber bereits nach wenigen Sekunden wieder zurück und begannen den Zugabenteil. 

Dem Publikum schien's weitgehend egal zu sein. Auffällig, aber natürlich kein Wunder, dass ein Generationenwechsel sich nunmehr deutlich abzuzeichnen beginnt. Die "Urfans" brechen allmählich weg, dafür wachsen zunehmend hippieske Fans im Highschool-Alter nach. Für sie allerdings scheint Kraftwerk nur noch eine Band unter vielen zu sein. Den historischen Background der Band kennen sie naturgemäß nicht mehr, für sie ist Kraftwerk ein Projekt der elektronischen Tanzmusikwelle. Auch die bei früheren US-Konzerten (Chicago, New York) immer anwesende Black Community, die man bei anderen Konzerten auch in Pittsburgh normalerweise sieht, war an diesem Abend anscheinend anderswo. Vielleicht aber auch nicht erstaunlich -- die Berührungen zwischen Kraftwerk und den schwarzen Musikszenen Detroits, Chicagos oder New Yorks liegen nun auch schon fast ein halbes Jahrhundert zurück; die damals entstandene Street Credibility Kraftwerks ist zwar noch nicht verflogen, aber für die heute aktive Musikergeneration annähernde Steinzeit.

Wer weiß, was Kraftwerk noch in petto hat. Mit größerer Experimentierlust der Band wird man wohl kaum noch rechnen dürfen, Ralf Hütter als letztes Urmitglied der Band geht nun immerhin auch schon auf die 80 zu. Ich denke ja, irgendwann wird sich die Band ganz in den virtuellen Raum zurückziehen. In Ansätzen (Electric Cafe) hat sie das ja schon gemacht, indem sie sich selbst in Gestalt von Wireframes präsentiert haben -- und damit endet auch heute noch jedes ihrer Konzerte. 

Wie auch immer, wer Kraftwerk noch nicht live gesehen hat, sollte die Gelegenheit nutzen. Irgendwann wird es sonst zu spät sein.

 



As it happens, I'm currently reading an interview with Karlheinz Stockhausen, which he gave to the Swiss art critic and curator Hans Ulrich Obrist in 2004. I'm continually amazed at the tremendous potential of creativity and artistic alertness the composer was able to convey just three years before his death, at the age of 76. This man never stopped producing new ideas and presenting new compositions, electronic ones as well as acoustic pieces. And he also constantly thought about the live presentation of his works from a spatial perspective. This was a lifelong theme for him -- think of Gruppen (Groups) which distributed three orchestras placed in the concert hall, making the spatial arrangement and interaction of the instruments a part of the composition. There was the electronic Gesang der Jünglinge (The Younglings' Song), a five-channel work: four channels around the audience, a fifth coming from the ceiling. With the architect Fritz Bornemann, Stockhausen designed a spherical, wrap-around auditorium that was built for the Expo 70 in Japan (and subsequently, sadly, demolished). Or Sternklang (Star Sound), which placed five partly acoustic, partly electronic ensembles in a park so far from each other that they were just able to hear each other. The audience could stroll between the five podiums. There was Fresco, Stockhausen called it a "Wandelmusik" (walking music) for four orchestral groups in several rooms of a house. The opera cycle LICHT (Light) explored spatial ideas even further, culminating in a string quartet in four flying helicopters. There was the eight-channel Oktophonie (Octophony), and the also eight-channel Unsichtbare Chöre (Invisible Choirs), as well as the last work Stockhausen himself could realize, Cosmic Pulses, in which the precisely crafted spatial positioning and movement of sounds in the venue culminates in a complexity that (admittedly) is barely distinguishable.

I was reminded of all this when I saw Kraftwerk on stage last week (for the ninth time since 1971!). Because if any band were truly predestined to realize such spatial placement and movement of sounds on the concert stage and in the surrounding space, it would be Kraftwerk. The group has already done something similar, at least in part, with a 32-channel 3D sound system called "Wave Field Synthesis." For a long time, their concerts were also spatialized with 3D projections; the group has just re-released their masterpiece Autobahn, which turned 50 last year, as a spatial Dolby Atmos mix. 
 
I had hoped the band's current 32-stop "multimedia" tour through the US and Canada would offer something along these lines. But unfortunately, the opportunity was missed. Instead, the classic shoebox setup was presented: At the front end, on stage, the musicians in their now-familiar illuminated neon suits, standing at their desks on the (now also) LED-equipped stage, behind them a large electronic screen with excellent picture quality, speakers on the left and right, and a subwoofer bank in front of the stage. The performance featured "greatest hits," interspersed with some less frequently performed pieces ("Tango," "Aetherwellen").

This was the setlist:

  • Numbers / Computer World / Computer World 2
  • Home Computer / It's More Fun to Compute
  • Spacelab
  • Airwaves
  • Tango
  • The Man-Machine
  • Electric Café
  • Autobahn
  • Computer Love
  • The Model
  • Neon Lights
  • Geiger Counter
  • Radioactivity
  • Tour de France / Tour de France Étape 3 / Chrono / Tour de France Étape 2
  • La Forme
  • Trans-Europe Express / Metal on Metal / Abzug

Encores:

  • The Robots
  • Planet of Visions
  • Boing Boom Tschak / Musique Non Stop

It's okay that the band has abandoned the 3D projection; I didn't miss it, especially since the cardboard glasses required for it became annoying after a while. The real "robot coat racks" are also no longer there; they now only take place on the projection screen. This gag was really starting to get a bit worn out. Interestingly, the characters in the film still show the faces of the former band members.

Kraftwerk is known for excellent sound quality, and I can confirm this from my own experience. Unfortunately, what they offered here in "Stage AE" was anything but that. The relatively small venue was apparently simply "over-equipped." A crazy volume produced distorted treble, overlaid with bass impulses from the subwoofers that were like kicks in the gut. Over the decades, I've experienced and survived many concerts with high and very high volumes. This was the first concert after which I wasn't sure whether I'd suffered a ruptured eardrum or sudden hearing loss and needed to seek emergency medical attention. Overnight, luckily things returned more or less to normal. But such a sound disaster shouldn't happen to an experienced mixing console operator. And when the local press calls it "top-notch sound," I wonder if people even have a standard anymore for what "good sound" means at a pop concert. Or does it now count as such when the audience in front of the stage is pounded hardly enough by the battery of subwoofers?

Or could it be that the band no longer cares about such questions? It would fit the overall picture of the evening: Several minor glitches (especially with the neon suits) were noticeable, and the listlessness of the four men, who barely looked up from their desks, was also obvious. After "Trans Europe Express," they left the stage, but then returned after just a few seconds and began the encore.

The audience largely seemed indifferent. Of course no surprise, that a generational shift is now beginning to be clearly visible. The old "original fans" are gradually disappearing, while a growing number of hippie-like high school-age fans are emerging. For them, Kraftwerk seems to be just another band among many. Naturally, they don't know the band's historical background; for them, Kraftwerk is mainly a project of the electronic dance music wave. Even the Black community, always present at Kraftwerk's previous US concerts (Chicago, New York), and usually seen at other concerts in Pittsburgh, seemed to be elsewhere that evening. Perhaps not surprising, though – the contacts between Kraftwerk and the Black music scenes of Detroit, Chicago, or New York date back almost half a century; Kraftwerk's street cred, which emerged back then, may not have vanished, but it's almost a Stone Age phenomenon for the generation of musicians active today.

Who knows what Kraftwerk has in store. One can hardly expect the band to be more experimental; Ralf Hütter, the last original member of the band, is now approaching 80. I think at some point the band will retreat entirely into the virtual world. They've already done this in some way (Electric Cafe) by presenting themselves in the form of wireframes – and that's how every one of their concerts still ends. 
 
However, anyone who hasn't seen Kraftwerk live yet should take advantage of the opportunity. At some point it will be too late.
 

Wednesday, February 5, 2025

Mike Ratledge 1943 - 2025

 

 

Mike Ratledge, keyboard player of Soft Machine, passed away today at age 81. 

 Bye bye! The first Soft Machine will always be one of my desert island records.

 


More info here.

Wednesday, January 29, 2025

Orbital

 

 

(Scroll down for english version)

 

Diese Besprechung von Samantha Harveys Orbital, in der deutschen Übersetzung Umlaufbahnen, beinhaltet den Versuch des flowworker-Teams, ein Buch von mehreren Mitgliedern des Blogs besprechen zu lassen. Dies ist mein Beitrag dazu, die anderen finden sich hier von Olaf Westfeld, in den Kommentaren dort äußern sich Michael Engelbrecht und Martina Weber, weitere Erwähnungen hier und hier.

Ein Buch ohne Handlung, aber keineswegs ohne Inhalt. Zwei Frauen und vier Männer umkreisen die Erde, sechzehnmal am Tag -- was immer "Tag" in der Raumstation ISS heißen mag. Sagen wir besser: in vierundzwanzig Stunden. Wir folgen ihrem Tagesablauf, ihren Gedanken, ihren Gesprächen, ihren wissenschaftlichen Experimenten, etwa der Arbeit mit den 40 Mäusen an Bord. Wir erleben in knappen Schilderungen und Dialogen die Profanitäten des Daseins, die Schlafprobleme oder der Dusche in der Schwerelosigkeit, die Speisekrümel, die wieder eingefangen werden müssen. Das immer irgendwie vorhandene Bewusstsein, dass nur eine millimeterdicke Metallschicht vor dem Vakuum schützt, spielt ebenso eine Rolle wie die Tatsache, dass gerade ein Raumschiff eine Expedition zum Mond unterwegs ist. Würde man lieber dort mitreisen als hier an Bord der ISS? Man erfährt von dem Tod der Mutter einer der beiden Frauen und der Unmöglichkeit, an der Trauerzeremonie teilzunehmen. 

Vor allem aber hören wir von den Impressionen beim Blick aus dem Fenster, auf die Erde. Nicht, dass die Autorin das hier philosophisch überfrachtet -- in diesem Punkt hält sie sich zurück, auch auf die allzu naheliegenden ökologischen Belehrungen verzichtet sie. Aber doch ist es nicht egal, dass aus der Perspektive der ISS der Globus da draußen keine Grenzlinien hat, dass man keine voneinander abgesetzten Staaten sieht, ja, dass man schon aus den gerade mal 200 Kilometern, die die ISS von der Erde entfernt ist, keine Spuren der Zivilisation mehr erkennen kann. Nur bei Nacht verraten sich die Städte durch ihr Licht. 

Gelegentlich tauchen in dem endlosen Strom der Gedanken Ideen auf, die man schon anderswo gelesen oder gesehen hat, etwa der von Carl Sagan entworfene kosmische Kalender, der den Zeitraum vom Urknall vor 13,6 Milliarden Jahren bis heute auf ein Jahr reduziert und auf diese Weise die unvorstellbaren Zeitdimensionen in eine handhabbare Größe verwandelt. Kaum zu glauben, dass in diesem Modell die Menschheit erst am 31. Dezember, drei Minuten vor Mitternacht, auf der Erde auftaucht. Vor 1,2 Sekunden ist Columbus in Amerika eingetroffen. Samantha Harvey erweitert die Skala recht clever, indem sie -- anders als Sagan -- die Uhr weiterlaufen lässt, in die Zukunft hinein. Dann ist in diesem Maßstab in spätestens vier Monaten Feierabend auf der Erde. Dafür sorgt die weitere Entwicklung der Sonne, die heißer werden und sich nach und nach zu einer Größe aufblähen wird, bei der die Erde verschluckt werden wird. -- Aber das sind Probleme von übermorgen; zunächst müssen wir uns wieder um die vierzig Mäuse kümmern.

Ein sehr faszinierendes Buch und eine spannende Gedankenreise, wenn auch nicht immer ganz einfach und auch nicht immer ohne Längen. Die Autorin lehrt Creative Writing, manchmal merkt man das. Wie auch immer, Michaels Idee, es sollte vielleicht eine Audiobook-Version geben, in die gelegentlich Ausschnitte aus Brian Enos Apollo-Alben eingeblendet werden, hat etwas für sich. Aber wenn schon akustische Beiträge, dann wäre mein Vorschlag dieser hier. Der lässt mich seit Jahren nicht los und fasst eigentlich ohnehin das ganze Orbital-Buch in dreieinhalb Minuten zusammen.

 

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This review of Samantha Harvey's Orbital, or in the German translation Umlaufbahnen, is an attempt by the flowworker team to have a book reviewed by several members of the blog. This is my contribution to it, the others can be found here by Olaf Westfeld, in the comments there Michael Engelbrecht and Martina Weber express their opinions, further mentions here and here.

A book without a plot, but by no means without content. Two women and four men orbit the earth, sixteen times a day - whatever "day" means in the ISS space station. Or better yet, in twenty-four hours. We follow their daily routine, their thoughts, their conversations, their scientific experiments, such as their work with 40 mice on board. In brief descriptions and dialogues we experience the profanities of existence, the sleep problems or the shower in weightlessness, or the food crumbs that have to be caught again. The ever-present awareness that only a millimeter-thick layer of metal protects against the vacuum plays just as much of a role as the fact that a spaceship is currently on an expedition to the moon. Would you rather travel there than here on board the ISS? We learn about the death of the mother of one of the two women and the impossibility of attending the funeral ceremony.

Above all, however, we hear about the impressions when looking out of the window at the earth. Not that the author overloads this with philosophy - she holds back on this point, and she also refrains from all-too obvious ecological lectures. But it does matter that from the perspective of the ISS, the globe out there has no border lines, that you can't see any states separated from each other, and that you can't see any traces of civilization from the ISS, just 200 kilometers away from the earth. Only at night the cities show up through their light.

Occasionally, ideas that have already been read or seen elsewhere appear in the endless stream of thoughts, such as the cosmic calendar designed by Carl Sagan, which reduces the period from the Big Bang 13.6 billion years ago to today to one year, thereby transforming the unimaginable dimensions of time into a manageable size. It is hard to believe that in this model, humanity only appears on Earth on December 31st, three minutes before midnight. Columbus arrived in America 1.2 seconds ago. Unlike Sagan, Samantha Harvey expands the scale quite cleverly by letting the clock continue running into the future. Then, on this scale, the Earth will be finished in four months at the latest. This is ensured by the further development of the sun, which will become hotter and gradually swell to a size that will swallow the Earth. -- But these are problems for the day after tomorrow; first we have to deal with the forty mice again.

A very fascinating book and an exciting journey of thought, even if it is not always easy and not always without long stretches. The author teaches creative writing, and you can tell sometimes. Anyway, Michael's idea that there should perhaps be an audiobook version, in which excerpts from Brian Eno's Apollo albums are occasionally faded in, has something to it. But if there are to be audio contributions, then my suggestion would be this one. It has stuck with me for years and actually sums up the whole Orbital book in three and a half minutes anyway.

 

Wednesday, January 1, 2025

Thursday, December 26, 2024

[AT 11] Asmus Tietchens: Musik unter Tage

 

 

Und weiter geht es mit der Tietchens-Reihe. 

Ein an Asmus' Filteraltar hängender, wenn ich es richtig erinnere, handgeschriebener Zettel sagte einst: "Das Ziel ist der Wahnsinn". Leider habe ich das Foto nicht mehr. Aber es gibt nur wenige Einspielungen des Meisters, die mir so unmittelbar an diesem Gerät entstanden zu sein scheinen wie diese fünf Tracks, auch wenn als Soundquellen lediglich der Moog Sonic Six und der Minimoog angegeben werden.

Die Musik unter Tage ist eine Cassettenveröffentlichung, 1983 mit unbekannter Auflage auf dem amerikanischen Aeon-Label erschienen. Als solche war sie letzter Teil einer Art Serie, zu der noch die weiteren Cassetten-Releases Musik an der Grenze (1982), Musik im Schatten (1982) und Musik aus der Grauzone (1981) gehören. 

Die Musik unter Tage passt in diese Reihe: bohrend, undurchschaubar, ziemlich lichtlos. Mit Ausnahme des Titels "Gelber Himmel" bestehen die Tracks aus jeweils einem liegenden, durchweg undefinierbaren Dauerklang, der überlagert wird von gefiltertem Rauschen und/oder Klängen, die mir im wesentlichen mit selbstoszillierenden Filtern erzeugt zu sein scheinen. Die Tracks 1 ("Strenge Klänge") und 2 ("Dämmerattacke") gehen dabei ineinander über, ebenso die Tracks 4 ("Maschine 6B", mit 18 Minuten Spieldauer das längste Stück) und 5 ("Einer 5"). Lediglich Track 3, "Gelber Himmel", kommt ein wenig munterer daher, hier ist ein Konglomerat diversen Gefiepses zu hören, das auch ein wenig im Stereopanorama umhergeschickt wird. "Einer 5", das letzte Stück, ist eine Art Kombination aus beiden Bauprinzipien. 

Die für Tietchens gelegentlich typische ökonomische Denkweise, wie wir sie auf späteren Platten noch näher kennenlernen werden, zeigt sich darin, dass einiges Klangmaterial dieser Stücke in späteren Einspielungen wieder auftaucht.

Verglichen mit den deutlich klarer ausgearbeiteten Sky-Einspielungen ist dies ein alles in allem eher simpel strukturiertes Werk; auch innerhalb der Cassetten-Werkgruppe erreicht Tietchens hier nicht die Qualität der Musik an der Grenze. Viel Zeit, behaupte ich mal, hat er in die Aufnahmen nicht investiert. Insofern ist dies sicherlich keine seiner wichtigeren Einspielungen, aber seine Handschrift immerhin wird schon deutlich; da ist jemand erkennbar "auf dem Weg". Das macht die Musik unter Tage dann doch zu einem Puzzleteil seines Gesamtwerks.

Musik unter Tage
Aeon (Fort Collins, Colorado, 1983), keine Bestellnummer
Keine spätere Wiederveröffentlichung

Friday, December 6, 2024

Meine Top-Alben 2024

It's Nikolaus Day, which means: Same procedure as every year, time for my favorite 2024 albums.

 

This year (don't take the order too serious):

 



  • Laurie Anderson: Amelia
  • Ryuichi Sakamoto: Opus (online version)
  • Elephant9 & Terje Rypdal: Catching Fire
  • Can: Live in Paris 1973
  • Can: Live in Aston 1977
  • Nick Cave & Bad Seeds: Wild God (Dolby Atmos)
  • Einstürzende Neubauten: Rampen
  • Peter Thomas: The Tape Masters, Vol. 1
  • Hans Zimmer: Dune, Part 2
  • Dubbelorganisterna: Volym 1

 

Furthermore:

 


 

  • Hans-Joachim Roedelius: 90
  • Pet Shop Boys: Nonetheless/Furthermore
  • Hermanos Gutiérrez: Sonido Cósmico 

 

Rediscovered:

 


 

  • Cowboy Junkies: The Trinity Sessions (1988) (Dolby Atmos)
  • Godley & Creme: The History Mix, Vol. 1 (1985)
  • Grateful Dead: Europe '72 (Dolby Atmos)
  • Jan Hammer: Escape from Television (1987)
  • David (Dave) Holland: Life Cycle (1983)
  • Peter Thomas Sound Orchester: Filmmusik (die 2-CD-Version, 1992)

 

All in all not the strongest year ever, and as always I'm sure I forgot something. I have to admit I fell in love with Dolby Atmos, a great new headphone experience that gives new life even to a record like the Dead's (although I'm not their biggest fan, but this record is essential anyways). Nice to hear from Terje Rypdal again, this is a melange somewhat between EL&P and King Crimson, hard work, but worth it. Dubbelorganisterna, in case you never heard that name, consists of leftovers from the drawers of late Bo Hansson & friends, recorded 2007 and 2014, limited to 600 copies. Film composer Peter Thomas would be 100 next year, there will be more about him then. Ryuichi Sakamoto needs no comment, this is the final goodbye. Dave Holland's solo cello recording is the right music for large, bright, white-painted rooms with few furniture. I love it.

May the next year come (in peace, if possible).